Frühe Jahre ...

Wir sind etwa in der Mitte der 60er Jahre. Ich hatte mich prächtig entwickelt und es ging mir gut. Meine Welt bestand jetzt hauptsächlich aus spielen und entdecken. Dank eines Gestells mit zwei Gläsern, dass ich auf die Nase gesetzt bekam, hatte ich ich den vollen Durchblick bei meinen Erkundungen. Ebenso wuchs die Zahl der Tanten und Onkel in meinem Umfeld. Der Onkel Höller vom Lebensmittelgeschäft an der Ecke, die Tante Kleinrahm aus der Bäckerei unten im Haus, Tante Helga und Onkel Karl von der Wohnung nebenan... um nur die Wichtisgten zu nennen. Und natürlich der Onkel Schmeck von der Eisdiele nebenan. Bei ihm war ich besonders im Sommer häufiger zu Gast. Alle hießen sie mit Vornamen Onkel oder Tante. Ich wußte gar nicht, daß wir so eine große Familie waren. Und fast täglich kamen Neue dazu. Auch hatte ich öfter wechselnde Partner an meiner Seite, denen ich alle meine Sorgen und Probleme anvertrauen konnte. Sie waren mal braun, grau oder auch schon einmal gelb. Immer anschmiegsam, geduldig und sie hatten alle immer den selben Namen: Teddy! Aber es gab öfter Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, für die Teddy dann meistens mit losen Augen, zerfetzen Ohren oder auch schon einmal mit einem halb abgerissenen Kopf büßen mußte. Aber nach einem kurzen Aufenthalt bei Doktor Mama waren die Spuren heftiger Diskussionen meist schnell wieder verheilt. Und wenn nicht, kam Teddy in den Bärenhimmel. Seltsam war nur, dass alle anderen dazu "Kohleofen" sagten ?!

Ein junger Mann muß mobil sein. Aber die Wahl des Fahrzeuges will wohl überlegt sein. Der Tretroller aus Holz war nicht so das Wahre. Des Öfteren wollte er nach links, wenn ich nach rechts wollte! Die Erkenntnis, wie hart ein Bürgersteig sein kann, war schmerzhaft! Auch ein Paar Rollschuhe beförderten mich eher in die Horizontale, anstatt vorwärts. Auch nicht der Bringer! Ein rotes, 20er Kinderrädchen mit Stützrädern aber brachte mich sicher ans Ziel. Meine ersten Expeditionen durch die Welt begannen: Gerolsteiner-, Wichterich-, Sülzburg- und Berrenrather Str. ! Immer um den Block. Stundenlang. Jeden Tag ! Doch die Herausforderung wuchs ständig, und ich bekam mein erstes Auto: einen schnittigen, roten kett-car. Was für ein heißer Ofen! Meine Reisen durch Sülz wurden größer und weiter. Block um Block wurde von mir erkundet. Die Welt lag vor mir. Und noch einen Freund hatte ich gefunden: den Onkel von der Tankstelle an der Ecke. Bei meinem roten Flitzer sprang nicht selten ein Hinterreifen von der Felge, wenn ich mal wieder zu heftig in die Kurve gefahren war. Für mich ein unlösbares Problem. Aber der Onkel von der Tanke sorgte bei einem schnellen Boxenstopp dafür, daß ich wieder auf die Piste kam.

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