Die feuchten 80er ...

Nach der Grundausbildung in Budel / Holland durfte ich die restlichen Monate in Rheine / Westfalen für mein Vaterland dienen. Ob der Spieß mir meine damalige Vorliebe für Kneipen anmerkte, weiß ich nicht. Auf alle Fälle köderte er mich mit einer Woche Dienst und dann eine Woche Freizeit. Da ich das erste Mal längere Zeit von Köln weg war und ich so etwas wie Heimweh verspürte, lernte ich den Umgang mit "chemichen Kampfmittel" und wurde Ordunanz im Unteroffizierscasino. Ich stellte mir vor, wenn ein Krieg ausbrechen würde, könnte ich den Feind anstatt zu erschießen, mit Alkohol um die Ecke bringen. Der Job war aber nicht schlecht und auch die Freizeit gefiel mir gut, zumahl ich nach langer Zeit mal wieder eine feste Freundin hatte. Auch diente die Freiwoche hervorgand dazu, bei meinem damaligen Arbeitgeber Hertie ein paar Tage zu arbeiten und meinen kargen Wehrsold aufzubessern. Das war auch gut so, denn oft war am Ende des Geldes noch ein bißchen Monat übrig.

Das blieb auch nicht aus, denn fast jedes Wochenende war irgendwo was los. Entweder die ganzen privaten Feiern, auf die man hin "musste", oder diverse Veranstaltungen wie z.B. die Uni-Feten in der alten Mensa unserer Universität. (Und da soll noch einer sagen, ich hätte nie eine Uni von innen gesehen!) Na ja, und nicht selten lief auch was unter der Woche. Das Ganze ging nicht so spurlos an mir vorrüber. Es begab sich eines ruhigen Abends, - ja auch die hat es hier und da gegeben - daß ich unmotiviert zuhause rumsaß und unfreiwillig den Zitterich in den Händen hatte. Ich habe darauf beschlossen, es etwas ruhiger angehen zu lassen und die ganzen feuchtfröhlichen Aktivitäten und die zahlreichen Kneipenbesuche nur noch am Wochenende zu starten.

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf: Drei untalentierte junge Leute treffen sich im Heizungskeller des Tersteegenhauses in Köln-Sülz, um den Senioren in der Caféteria über ihnen zu beweisen, dass Musik nicht nur schön sondern auch laut sein kann. Im Geiste sah ich mich schon im Vorprogramm von AC-DC in der Kölner Sporthalle. Die ganze Spinnerei dauert nur ca. ein Jahr, weil unser Gitarrist bei den nächsten Proben nicht mehr wusste, was wir die Woche davor geübt hatten, und ich mich nie entscheiden konnte, entweder hinter dem Schlagzeug zu sitzen oder mich an der Front mit meinen ganzen drei (!) Griffen auf der Gitarre zu blamieren.

1985 lernte ich Angelika kennen. Und da ich der Meinung war, 'nen Bessern als mich bekommt sie nicht, hab ich sie dann 1986 geheiratet. Oder sie mich ? (Auf alle Fälle sind wir jetzt über 30 Jahre verheiratet.) Meine Freunde waren inzwischen auch alle in festen Händen und so wurden die regelmäßigen Kneipen- und Fetenbesuche so langsam doch etwas seltener. Man(n) hatte ja jetzt auch einen guten Grund, lieber mal zuhause zu bleiben. Mit Frau war die Mark eh nur noch 50 Pfennige wert und außerdem lebte es sich wesentlich angenehmer ohne die ständigen Vorwürfe "Musst du schon wieder saufen gehen?!"

 

weiter zu "Die braven 90er"