Die braven 90er ...

So langsam verschwinden die Flausen aus dem Kopf und das Leben wird immer ernster, was aber jetzt nicht (nur) auf die Tatsache, dass man verheiratet ist, zurückzuführen war. Entgegengesetzt zu meinen Freunden, die sich in ihren Ehen schon alle vermehrt hatten, beschloß ich, dass einer von meiner Sorte genug ist für diese Welt. (Das ist natürlich nicht der Hauptgrund unserer kinderlosen Ehe - es liest sich aber auf alle Fälle besser). Ob Glück oder nicht, mag dahin gestellt sein, auf jeden Fall hatte ich viel Zeit für meine Hobbies. Computern und Videofilmen war dazu gekommen. Und natürlich immer noch meine Musik.

Da die Zeit der Jungendheime ja längst Geschichte ist, falle ich den Leuten auf diversen Veranstaltungen mit meinen Oldieplatten und Ansagen auf den Nerv. Ich scheine damit aber einen guten Nerv zu treffen, denn es läuft ganz gut.

Beruflich habe ich die Branche gewechselt. Anstatt für wenig Geld den ganzen Tag im Laden daruf zu lauern, den Kunden das Geld aus den Taschen zu locken, arbeite ich jetzt für mehr Geld und wesentlich angenehmeren Arbeitszeiten bei einer Versicherung in der Verwaltung.

Die Treffen mit den Freuden werden immer seltener, was aber nicht heißt, dass wir uns nicht mehr verstehen. Wenn einer ruft oder Hilfe benötigt, stehen wir alle Gewehr bei Fuß. Und das, meine ich, kann man wirklich als echte Freundschaft bezeichnen. Es hat zwar etwas gedauert, aber ich sehe ein, dass die eigene Familie eben nun mal höhere Prioritäten setzt. Mein Problem war immer, dass ich unheimlich an den alten Zeiten hänge und sie mir auch oft wieder zurück sehne. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Oft habe ich auch nur meine eigenen Interessen verfolgt und außer Acht gelassen, dass meine Frau und ich ohne Kinder ungebunden sind, was die Termine für Partys, Reisen oder Besuche betrifft. Die etwas seltener gewordenen Treffen genießen wir deshalb um so mehr. Sei es bei einem gemütlichen Kneipenbesuch einmal mit unseren Frauen zusammen, das andere Mal wieder wir Jungs alleine. Oder auch die gegenseitigen Besuche bei einem von uns zuhause.

Ich bin stolz und dankbar, mit euch so lange befreundet zu sein. Danke Jungs! Und hoffentlich noch auf viele weitere Jahre mit Euch!


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