Der Umbruch ...

Es hat sich einiges getan in meinem Leben! Ein neuer Papa an der Seite meiner Mama, eine elektrische Eisenbahn und viele, viele bunte Legosteine. Es fand eine Verschiebung meiner Interessen statt, denn ich legte meine ganze Energie nun in die Erschaffung neuer Häuser, Autos und sonstiger technische Geräte. Nach den jahrelangen Expeditionen durch die nähere Umgebung, war ich der Meinung, Köln jetzt gut genug zu kennen. Von meinem Fenster aus hatte ich Blickkontakt auf das Riesenrad, dass jedes Jahr auf dem Auerbachplatz zur Kirmeszeit stand. Inspiriert davon entstand dann zeitgleich auf meinem grau-blau-kariertem Filzboden mein eigener Kirmesplatz. Es war wohl das Beste, dass er nur aus Legosteinen bestand, denn bei den zahlreichen Unfällen und Zusammenstürzen meiner Fahrgeschäfte wäre ich wohl als jüngster Massenmörder in die Geschichte eingegangen. So waren es aber nur die zahlreichen Micky Maus Figuren und Bussybärchen, die des Öfteren einen Abflug vom Karrussel machten und unter die Couch flogen.

Ich wurde erwachsen, denn ich mußte in die Schule. Ich sah zwar nicht ganz ein, warum, denn lesen und schreiben konnte ich doch schon! Das sagte ich auch dem Rektor beim ersten Besuch der Schule. Außerdem sei das stundenlange Stillsitzen nichts für mich. Er ließ sich aber nicht darauf ein, und so mußte ich fortan einen großen Teil meiner kostbaren Zeit mit meinesgleichen in einem überhitzten Klasennzimmer verbringen. Ich gewöhnte mich aber schnell an diesen Umstand. Hatte ich bis jetzt Mädchen doch immer nur als Heulsusen, die mit Puppen spielten abgehakt, so gab es da jetzt die Edith, die Nicole und die Marita, die meine ganze Aufmerksamkeit erforderten. Die Wahl zwischen den drei Mädels fiel schwer. Also beschloss ich, immer vor ihnen im Klassenraum zu sein, um ihre Stühle stets akkurat vom Tisch zu nehmen und auf den Boden zu stellen. Das allein reichte aber nicht, sie dazu zu bewegen, mich zu heiraten. Also begann ich, Gedichte zu schreiben und sie auf abenteuerlichste Art und Weise in den Ranzen der Mädels verschwinden zu lassen. Ich erreichte damit aber nur, daß meine poetischen Werke unaufgefordert einem breiten Klassenpublikum zugänglich gemacht wurden, die aber in meinen Augen völlig unreif waren, den tieferen Sinn meiner Verse zu verstehen. Meine dichterische Phase war damit kurzerhand beendet. Ich nahm mir aber vor, mich am "Verleger" meiner Werke handgreiflich zu rächen, was aber zunächst an der körperlichen Überlegenheit meines Gegenüber scheiterte. Auf Anfragen erhielt ich von meinem Vater den Rat, meine Brille abzunehmen, meinem Gegner zu bitten sie festzuhalten, um ihn dann mit all meiner zur Verfügung stehenden Kraft eine reinzusemmeln. Dieser gut gemeinte aber folgenschwere Ratschlag brachte meine Mutter emens auf die Palme, denn am nächsten Tag kam ich mit einer zerbrochenen Brille von der Schule. Immerhin erreichte ich am letzten Schultag, dass sich Edith mit unserem Lehrer, Herr Rahmen, und mir fotografieren ließ. Welch ein später Erfolg!

Wir sind inzwischen in den 70er und ich bin jetzt auf der Realschule Euskirchener Str. (heute Theodor-Heuss-Realschule). Ich nenne ein Bonanza-Rad und einen ITT Cassettenrekorder mein Eigen und lerne neue Freunde kennen. Und auch neue Interessen: die Musik!

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