2016 ...

Das Treppensteigen fiel meiner Mutter immer schwerer in ihrer alten Wohnung auf der 2. Etage. Sie fing schon ihre Einkäufe und Unternehmungen an zu planen, nur um nicht so oft ihre Wohnung verlassen zu müssen. Was aber auch dazu führte, dass ihr immer häufiger „die Decke auf den Kopf fiel“. Sie war noch nie ein Typ, der es tagelang nur zuhause aushält. Die Wohnung wurde ihr auch langsam zu groß. Ein großes Wohnzimmer und ein Esszimmer, die immer sauber gehalten werden wollten. Das Esszimmer wurde eh nur noch zwei oder drei Mal im Jahr genutzt. Die vielen Verwandten und Bekannten, mit denen wir früher oft da gefeiert haben, sind ja leider auch schon alle verstorben. Und wir saßen meist bei ihr in der Küche, wenn wir zu Besuch kamen. Oder im Wohnzimmer zum Kaffeetrinken an Feiertagen. Aber umziehen? In ihrem Alter? Und eine kleinere Wohnung wäre wahrscheinlich noch teurer, als ihre jetzige. Also wurde das Thema Umzug immer wieder verworfen.

Ein trauriger Zufall wollte es, dass sie in ihrem hohen Alter doch noch einmal einen Umzug wagte – aber nicht ins Altersheim, sondern in eine neue Wohnung! Unsere Nachbarin unter uns auf Parterre verstarb leider Anfang diesen Jahres. Unser Vermieter war von Anfang an von der Idee begeistert, dass Mutter hier bei uns ins Haus einziehen sollte. „Familienzusammenführung” fand er immer schon gut! Aber zuerst musste die Wohnung unter uns kernsaniert werden, da sie noch im Zustand aus den 50er Jahren war.

Ich hatte aber auch große Bedenken, dass die Belastung für sie zu groß werden könnte. Meiner Frau und mir fielen sofort wieder ihre beiden Schlaganfälle ein. Ich habe diesbezüglich sogar Mutters Hausarzt aufgesucht. Er hatte aber keine Bedenken, solange sie sich zurückhalten und keine schweren Sachen tragen oder auf der Leiter rumturnen würde. Aber da kannte er meine Mutter schlecht! Die Vorbereitungen und der Umzug liefen nicht immer so harmonisch ab, wie wir uns das vorgestellt hatten. Vielleicht haben wir es auch etwas übertrieben mit unserer Fürsorge. Vielleicht kam sich Mutter aber auch ein bisschen bevormundet von uns vor. Oft waren unser aller Nerven bis zum Zerreißen angespannt. Aber irgendwie ist dann doch alles gut verlaufen.

Und so wohnt Mutter seit November hier im Haus und erfreut sich an ihrer Parterre Wohnung, ohne Treppen steigen zu müssen. Und Sohnemann ist ja auch schnell zur Stelle, wenn’s mal „brennt”!


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